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aus Starke Pferde Nr. 15Besuch auf JuistVon Erhard Schroll |
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vorstellen, dass Urlauber ihr Reiseziel danach auswählen, welches Haupttransportmittel am
jeweiligen Urlaubsort verwendet wird? Nun gut, es gibt Menschen, die fahren nach Moskau
auch um die U-Bahn zu sehen und sicherlich fahren auch Eisenbahnenthusiasten in die
Schweiz, um mit dem Glacier-Express zu fahren. Aber sonst? Wegen der Metro nach Paris?
Wegen des Autoverkehrs nach Tokio oder New York? Nun wir sind nach Juist gefahren - hauptsächlich um uns ein Bild und einen Eindruck zu machen vom dortigen Hauptverkehrs- und Beförderungsmittel: dem Pferd. Wir das sind Anke und Friedrich Burgath, Karla Ebert und Erhard Schroll. Indirekt kommen auch die anderen Urlauber aus dem gleichen Grund auf die Insel im ostfriesischen Wattenmeer: Sie bevorzugen diesen Ort gegenüber anderen Urlaubszielen, weil sie hier Ruhe haben vor der Hektik des Alltags, vor Belästigung durch Autolärm und Abgase. Möglich wird`s in erster Linie durch die Arbeitspferde, die das Bild der Insel und deren Alltag prägen und ohne die nichts geht. |
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Als die Fähre sich dem Hafen von Juist nähert und bereits immer mehr Einzelheiten am Ufer erkennbar werden, steigt die Aufregung und Spannung deutlich an. Seit mehr als 15 Jahren hatten Karla und ich uns vorgenommen die Insel der Zugpferde zu besuchen. Zusammen mit Anke, Friedrich und ihrem Sohn Jan hatte es also nun doch endlich geklappt. Erwartungsvoll streift der Blick über die Kaianlagen und tatsächlich: Gleich mehrere Gespanne stehen bereit und weitere sind in der Ferne zu erkennen, wie sie sich beeilen rechtzeitig zum Anlegen des Schiffes im Hafen zu sein. Als jemand der selbst täglich mit Zugpferden umgeht und arbeitet, sehe ich die Insel sicherlich mit anderen Augen als viele andere Touristen, die in erster Linie Erholung, Entspannung und Ruhe bei ihrem Aufenthalt auf Juist erwarten und sicherlich auch bekommen. Mich interessiert vielmehr was für Arbeiten mit den Pferden verrichtet werden, wer diese Arbeiten ausführt, wie das alles organisiert ist und funktioniert, wie die Pferde gehalten werden und mit welchen Besonderheiten sich Kutscher und Fuhrbetriebe auseinandersetzen müssen. GepäckdienstKaum hat die Frisia II angelegt, wird es richtig geschäftig: die Gepäck-Container werden zuerst an Land gebracht und noch während die Fahrgäste in der Schlange stehend, darauf warten, das Schiff verlassen zu können, sind die Fuhrleute schon dabei, die Gepäckstücke ihrem Bestimmungsort auf der Insel entsprechend zu sortieren und mit Sackkarren und Gepäckkulis auf die verschiedenen bespannten Gepäcktransporter zu verteilen. Mitten in diesem Gewusel von geschäftigen Fuhrleuten und nach Orientierung suchenden Passagieren stehen sie ruhig und geduldig, wie ein Fels in der Brandung: die Arbeitspferde. Die Gepäckwagen sind relativ leicht zu ziehen, so dass sie problemlos jeweils von einem einzigen Kaltblüter bewegt werden können. Wenn die Leute ohne Auto anreisen, muss der Gepäckdienst reibungslos und schnell funktionieren so Gerald Kannegieter, dessen Fuhrbetrieb für den Gepäcktransport auf der Insel verantwortlich zeichnet. Und tatsächlich: ruckzuck sind die Gepäckstücke, nach der Adresse sortiert, auf die Wagen verteilt und die Gespanne machen sich auf den Weg zu ihren jeweiligen Zielen. Oft noch bevor die Gäste an ihren Unterkünften eintreffen stehen bereits die Koffer vor der Eingangstür. Perfekter funktioniert´s auch nicht auf den modernsten Großflughäfen ...! WarentransportEtwas Abseits des Trubels werden Container und Paletten entladen und in der großen Lagerhalle zwischengelagert. Ein Gespann (vermutlich) Schleswiger Kaltblüter steht geduldig vor dem großen Tor. Angespannt vor 2 (!) Flachwagen, hatte es gerade Leergut angeliefert und wird jetzt mit einem Gabelstapler wieder mit gefüllten Getränkekisten beladen. Die komplette Versorgung von ungefähr 10.000 Personen erfolgt auf diese Weise. Jede einzelne Ware wird mit den Pferden transportiert und ausgeliefert: Lebensmittel, Getränke, Gebrauchsgüter, aber auch Baumaterial jeglicher Art. Alles, von der Zahnpasta bis zum Stahlbetonträger, muss mit den Gespannen zu den jeweiligen Bestimmungsorten gebracht werden. PersonentransportWährend auf der einen Seite der Anlegestelle sich alles um Gepäck und Waren dreht, stehen auf der anderen Seite zahlreiche Gespanne bereit, um die Passagiere aufzunehmen, die ihre Unterkunft nicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen wollen. Verschiedene Planwagen und spezielle Pferdeomnibusse, selbstverständlich alle gemäss der geltenden Sicherheitsvorschriften ausgerüstet und eine bunt Vielfalt angespannter Pferde, von mittelschweren Kaltblütern verschiedener Rassen, Warmblüter und auch Norweger sind zu sehen. Bunt die Gespanne auch deshalb, da sie teilweise offensichtlich nicht nach den Kriterien von Show-Gespannen zusammengestellt wurden, sondern danach, wie die Pferde zusammen arbeiten und harmonieren. Sicherheit und Funktionalität vor Schönheit scheint die nachvollziehbare Devise (obwohl bei genauerem Hinsehen bei einigen wenigen Gespannen eine Überarbeitung der Geschirre nicht von Nachteil wäre). Schnell sind die Busse und Wagen mit Fahrgästen gefüllt und die Fahrzeuge machen sich auf den Weg zu den jeweiligen Bestimmungsorten.
Die Fuhrbetriebe Stückgutspedition Hafenumschlag in Juist Transport von Lebensmitteln, Stückgut, Frachtgut, An- u. Abfuhr von Baumaterial, Leichenwagen Müllabfuhr im Auftrag des Landkreis Aurich, Personenbeförderung mit Pferdebussen und Planwagen in den Ortsteil Loog, Ausflugsfahrten zum Inselende Bill. Historische Kutschen für feierliche Anlässe. Verkehrsanbindung mit Planwagen und Personenkutschen zum Flugplatz Juist. Ausflugsfahrten, Erd- und Baggerarbeiten in Verbindung mit der An- und Abfuhr von Baumaterial, Gestellung eines Kaltblut-Gespannes für den Kindergartenbus der Ev. Kirchengemeinde Juist.Reitstall mit 10 Reitpferden Taxi, Verkehrsanbindung mit Planwagen und Personenkutschen zum Flugplatz Juist. Ausflugsfahrten, Gepäckbeförderung, Paket- und Telegrammdienste, Reitstall mit 10 Reitpferden. Ausnahme für die autofreie Insel Juist bilden lediglich die Rettungsdienste. So gibt es motorisierte Fahrzeuge für Feuerwehr und Krankenversorgung und auch die beiden ansässigen Ärzte verfügen über eine Notwendigkeits-Ausnahmegenehmigung. Die Post betreibt zudem noch 2 Elektrofahrzeuge.
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Paradies für Pferde? (Paradies ist es höchstens für Sommer-Ekzemer die in der gesunden, salzigen Luft und vor allem fliegenfreien Umgebung ein zweites Leben beginnen können.) So wie es für gesunde Menschen selbstverständlich ist (sein sollte), für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen, so selbstverständlich ist es auf Juist auch für die Pferde ihren Lebensunterhalt durch Zugarbeiten zu erwirtschaften. Zumindest seit dem 19.Jahrhundert haben sich die heutigen Zugpferderassen durch das Zusammenleben mit ihren Menschen und der gemeinsamen Arbeit zu dem entwickelt, was sie heute zum Glück noch sind. Ohne diese Aufgabe wären diese Pferderassen überhaupt nicht entstanden! Solange sie diese Arbeit auf Juist und auch an anderen Orten und anderen Einsatzbereichen noch nachkommen, solange bleibt ihnen eine Degradierung als Zoo- oder Luxustiere und - für die überwiegende Mehrheit dieser Tiere - der Gang zum Schlachthof, erspart! Beeindruckt von der Naturgewalt und von der gewaltigen Natur, die wir auf Jusit erleben konnten, ging es wieder nach hause, wo unsere Pferde und die Arbeit schon auf uns warteten. |
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